Geschichten aus der Bürogruft: Gescheitert.

Bürogruft

Wenn dich am frühen Morgen ein ehemaliger Mitarbeiter anruft und nach einer Arbeitsbescheinigung für die Bundesagentur fragt, dann weißt du, er ist (bald) wieder arbeitssuchend.

Ich muss ein bisschen ausholen. Wir haben im letzten Jahr im Rahmen eines Sonderprojektes mehrere Mitarbeiter unter Vertrag genommen. Einige haben es durchgehalten, einige nicht. Er war einer von den Durchhaltern und wurde dann irgendwann zu Beginn diesen Jahres durch den Kunden übernommen.

Die Übernahme lief alles andere als „reibungslos“, da der Kunde von jetzt auf gleich eine Übernahme forcieren wollte, sprich von heute auf morgen – durch einen Machtkampf zwischen Personalabteilung und neuer Geschäftsführung. Das ist natürlich nicht immer ganz unproblematisch. Immerhin gibt es, wie auch immer die Gesetzgebung darauf gekommen ist, Kündigungsfristen. Die zwischen uns und dem Kunden ist dabei das – für mich – kleinere Übel, da diese individuell ausgehandelt werden. Das kann man mal kurz auf dem kurzen Dienstweg, normalerweise, klären. Aber die zwischen uns und dem Mitarbeiter ist dann immer etwas problematischer. Zumal das ganze Rückwirkend gemacht werden sollte. Ähm, sorry, aber Rückwirkend? No way. Ergo erfolgte eine Auflösung des Vertrages nicht rückwirkend, sondern an dem Tag als der Mitarbeiter bei uns im Büro aufschlug.

Auf der einen Seite ist es wunderbar und toll, wenn die Mitarbeiter den Sprung zum Kunden schaffen. Doch das birgt auch für die Mitarbeiter Risiken und daher sind fristlose Kündigungen oder Aufhebungsverträge oftmals sehr problematisch für die Mitarbeiter – gerade hier bei der Bundesagentur.

Wie sollte es also anders kommen? Mein ehemaliger Mitarbeiter hat beim Kunden die Probezeit nicht überstanden und steht jetzt vor einer misslichen Lage. Auch wenn er aufgrund Arbeitgeberkündigung jetzt raus ist beim Kunden, hat er immer noch in seiner Vita für den Leistungsbezug einen unbefristeten Arbeitsvertrag aufgelöst ohne Einhaltung von Fristen. Das sieht die Bundesagentur nicht sehr gerne und wird ihm im schlimmsten Fall die Leistungen vorrübergehend kürzen.

Mein Angebot direkt bei uns wieder einzusteigen hat er leider abgelehnt. Er möchte es erstmal bei einigen Unternehmen eigenständig probieren.

Der Autor

Kopfmensch. Querdenker. Eckt gerne an. Hilfsbereit. Serien verliebt. Sporthungrig. FC Bayern.